Sebastian Köpcke

Amanda Jara zu Gast in unserer Ausstellung

Am 24. Sep­tem­ber konn­ten wir Aman­da Jara in unse­rer Aus­stel­lung begrü­ßen. Sie ist gemein­sam mit der Musi­ke­rin und His­to­ri­ke­rin Yolan­da Mari­sol Pal­ma und dem Leip­zi­ger Stadt­rat Vol­ker Külow auf Vor­trags­rei­se. Wir führ­ten die Gäs­te durch die Aus­stel­lung und zeich­ne­ten ein Zeit­zeu­gen­ge­spräch mit Vic­tor Jaras Toch­ter auf. Im Anschluss dar­an, gab sie noch eine kur­ze Ein­füh­rung in Patri­cio Guz­máns Film »Batal­la de Chi­le«. Beim gemein­sa­men Mit­tag­essen spra­chen wir über die gro­ße Welt­po­li­tik und die klei­nen Din­ge des Lebens und auch dar­über, dass unse­re Aus­stel­lung nach Sant­ia­go de Chi­le kom­men soll.

 

11. September 2023

Mit der Eröff­nung unse­rer Aus­stel­lung »EL PUEBLO UNIDO – Erin­ne­rung an den 11. Sep­tem­ber 1973« tra­ten wir nach einem Jahr mit unse­rer Arbeit an die Öffent­lich­keit. Wir waren glück­lich, dank­bar und berührt über die vie­len Gäs­te, die gekom­men waren. Ale­jan­dro Soto Lacos­te spiel­te Lie­der aus sei­nem aktu­el­len Victor-Jara-Programm. Schau­spie­ler und Regis­seur Ale­jan­dro Quin­ta­na rezi­tier­te ein Gedicht von Pablo Neru­da. Clau­dia brach­te in ihrer Eröff­nungs­re­de alles auf den Punkt, was uns um- und ange­trie­ben hat, um aus eige­nem Wil­len die­se Aus­stel­lung zu rea­li­sie­ren und sie wür­dig­te die gewal­ti­gen Soli­da­ri­täts­leis­tun­gen in Ost und West, die bei­spiel­haft sind und bei­spiel­ge­bend blei­ben. Osval­do Puc­cio von der Sal­va­dor Allen­de Stif­tung in Sant­ia­go de Chi­le war als unmit­tel­ba­rer Zeit­zeu­ge der Ereig­nis­se vor 50 Jah­ren ein ganz beson­de­rer Gast. In sei­ner bewe­gen­den Rede schlug er den Bogen von der Ver­gan­gen­heit in die Gegen­wart und er mach­te deut­lich, dass auch in Zukunft auf uns Gefah­ren lau­ern, die jede Gesell­schaft zer­reis­sen kön­nen – in Chi­le, in Latain­ame­ri­ka, in Euro­pa und auch bei uns. Der Eröff­nung folg­te dann die Wie­der­auf­füh­rung der Chile-Kantate »Mumi­en« der Köl­ner Rock­band Floh de Colo­gne, die wir mit unse­rer visu­el­len Bear­bei­tung wie­der sicht­bar machen konn­ten. Die­ter Klemm (Floh de Colo­gne) war eigens aus Köln ange­reist, um den Gäs­ten per­sön­lich die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Wer­kes zu erläu­tern. Auf gro­ßer Lein­wand ent­fal­te­te unse­re fil­mi­sche Bild­col­la­ge ihre vol­le Wucht. Ein wun­der­ba­rer Abend und wir sind allen dank­bar, die ihn mit uns geteilt haben. (Fotos: Vol­ker Wein­hold | Peter Stei­ni­ger | Film­bei­trag: Caro­li­ne Gubig – Maulbeerblatt)

 

 

 

Bedeutsame Begegnungen

In Vor­be­rei­tung unse­rer Aus­stel­lung »El Pue­blo uni­do – Erin­ne­rung an den 11. Sep­tem­ber 1973« haben wir vie­le Gesprä­che geführt und ganz per­sön­li­che Ein­drü­cke gesam­melt. Jede die­ser Begeg­nun­gen war für uns ein Geschenk. Allen, die ihre Erin­ne­run­gen mit uns geteilt haben, sind wir dank­bar. Und weil wir es wich­tig fin­den und weil wir grund­sätz­lich neu­gie­rig sind auf Men­schen und ihre Geschich­te und Geschich­ten, wol­len wir wei­ter­hin mit Zeit­zeu­gen ins Gespräch kom­men und ihr Erle­ben doku­men­tie­ren: ZEITZEUGEN

Filmische Wiederaufführung der Chile-Kantate »Mumien« | Floh de Cologne (1974)

11. Sep­tem­ber 1973 – Mit Segen und Unter­stüt­zung der USA putsch­te das chi­le­ni­sche Mili­tär unter Füh­rung von Gene­ral Augus­to Pino­chet gegen Dr. Sal­va­dor Allen­des demo­kra­tisch gewähl­te Regie­rung, bom­bar­dier­te den Prä­si­den­ten­pa­last, ver­häng­te eine Aus­gangs­sper­re und begann unmit­tel­bar mit Mas­sen­ver­haf­tun­gen, bes­tia­li­schen Fol­te­run­gen und Hin­rich­tun­gen aller pro­gres­si­ver Kräf­te, derer man hab­haft wer­den konn­te. Die Köl­ner Rock­band Floh de Colo­gne brach­te 1974 in unmit­tel­ba­rer Reak­ti­on auf die­se Ereig­nis­se die Chile-Kantate »Mumi­en« auf Büh­ne und Vinyl. Am 11. Sep­tem­ber 2023 – 50 Jah­re nach dem Putsch – brin­gen wir gemein­sam mit Floh de Colo­gne die­ses kraft­vol­le und emo­tio­na­le Werk mit die­ser audio­vi­su­el­len Bild­col­la­ge zur Wie­der­auf­füh­rung – am 11. Sep­tem­ber im Kino Baby­lon Ber­lin und am 17. Sep­tem­ber im Thea­ter Ost in Berlin-Adlershof.

 

Wer war Franz Stenzer?

Der Matro­se, Rin­ger, Eisen­bah­ner, Gewerk­schaf­ter, Fami­li­en­va­ter und Kom­mu­nist war auch der ers­te Reichs­tags­ab­ge­ord­ne­te, der bereits 1933 im KZ Dach­au »auf der Flucht« von vorn erschos­sen wur­de. In der DDR wur­de sein Name in Ehren gehal­ten. Nach 1989 wur­de er weit­ge­hend aus der aus der kol­lek­ti­ven Erin­ne­rung gelöscht. Sten­zers Enke­lin, Tan­ja Trö­gel, mach­te die Bio­gra­fie ihres Groß­va­ters zum The­ma einer klei­nen Aus­stel­lung, die wir gestal­ten konnten.

Erinnerung an Klaus Feldmann

Im Thea­ter Ost in Berlin-Adlershof wur­de am 30. Mai 2023 mit einer fei­er­li­chen Ver­an­stal­tung Klaus Feld­mann (1936−2023) gedacht. Dabei wur­de auch das letz­te Inter­view gezeigt, das wir im Herbst 2022 mit dem eins­ti­gen Nach­rich­ten­spre­cher des DDR Fern­se­hens auf­zeich­nen konn­ten. Clau­dia gab dazu eine kur­ze Ein­füh­rung und schil­der­te unse­re Erin­ne­rung an die­sen kul­ti­vier­ten, nach­denk­li­chen und humor­vol­len Menschen.

»EL PUEBLO UNIDO« – Eine Ausstellung im Kino Babylon

Bom­ben auf die Mone­da, die letz­te Rede von Sal­va­dor Allen­de, Pan­zer in den Stra­ßen von Sant­ia­go, Hin­rich­tun­gen im Natio­nal­sta­di­on – der Mili­tär­putsch in Chi­le war das ers­te poli­ti­sche Groß­ereig­nis, an das wir uns seit unse­rer Kind­heit bewusst erin­nern. Der orches­trier­te Staats­streich erscheint uns als Blau­pau­se für vie­les, was seit­her immer wie­der im Namen der Frei­heit geschah. Die­ser Putsch führ­te das Land in eine 17 Jah­re dau­ern­de Fins­ter­nis. Tau­sen­de – vor­nehm­lich Men­schen aus dem lin­ken poli­ti­schen Spek­trum – wur­den gejagt, inhaf­tiert, gefol­tert oder ermor­det. Vie­le blie­ben ver­schwun­den. Mil­lio­nen Men­schen auf der gan­zen Welt waren erschüt­tert und doch gleich­zei­tig soli­da­risch. Vie­le ver­folg­te Chi­le­nin­nen und Chi­le­nen fan­den Zuflucht im Exil. Auch in der DDR und der BRD gab es eine gro­ße Soli­da­ri­täts­be­we­gung, wenn auch durch ihre gesell­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen unter­schied­lich moti­viert und initi­iert. Mit unse­rer Aus­stel­lung »El Pue­blo uni­do – Erin­ne­run­gen an den 11. Sep­tem­ber 1973« wol­len wir der Soli­da­ri­ät in dra­ma­ti­scher Zeit gedenken.

 

 

Großartige Begegnungen

Am 21. Dezem­ber 1952 nahm das Fern­seh­zen­trum Ber­lin als ers­ter deut­scher Sen­der mit einem regu­lä­ren Pro­gramm den Sen­de­be­trieb auf. Das 70. Jubi­lä­um die­ses his­to­ri­schen Tages woll­ten wir nicht still ver­strei­chen las­sen. Vie­le ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­ter, zum Teil Pio­nie­re der ers­ten Stun­de, unter­stütz­ten uns nach Kräf­ten. Durch sie beka­men wir Infor­ma­tio­nen und Mate­ri­al aus ers­ter Hand. Die­se Begeg­nun­gen waren für uns sehr kost­bar und die Inter­view­fil­me, die wir mit Ihnen dre­hen konn­ten, geben unse­re Aus­stel­lung einen ganz eige­nen Wert. Wir dan­ken Han­na Chris­ti­an (Kame­ra­frau), Inge Trisch (Dra­ma­tur­gin), Ursu­la Schmen­ger (Regis­seu­rin), Sabi­ne Ber­ger (Trickanitm­to­rin), Hans Mün­che­berg (Dra­ma­turg), Klaus Feld­mann (Nach­rich­ten­spre­cher), Win­fried Kujas (Stell­ver­te­ten­der Pro­duk­ti­ons­lei­ter Kin­der­fern­se­hen), Horst Rentz (Bereichs­lei­ter Unter­hal­tung und Musik), Andre­as Lich­ten­stein und Olaf Hüb­ner (Büh­nen­hand­wer­ker).

 

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